Donnerstag, 27. Juni 2013

Europäische Regulierungswut

Die spinnen, die EU-Bürokraten! Nicht nur, dass Brüssel schon die Banane genormt hat (Mindestmaße: Länge 14 cm, Dicke 2,7 cm), den Krümmungsgrad von Gurken vorschreiben wollte und selbst von weitgehend hochgebirgsfreien Bundesländern wie Bremen und Hamburg die Verabschiedung eines Seilbahngesetzes fordert, nein, man will offenbar auch eine eigene europäische „Corporate Identity“ schaffen, wozu auch die Vereinheitlichung selbst so profaner Dinge wie die Ampelmännchen gehört.

Zu diesem Zweck wurde das so genannte „Euromännchen“ entwickelt, das in neuen Ampelanlagen europaweit eingebaut wird.

Doch der Widerstand regt sich: An einigen Ampeln in Deutschland wurden heimlich die Sinnbilder verändert, so dass Ampelmännchen mit Regenschirm oder Rucksack entstanden. Im Ausland gab es sogar noch erheblich kreativere Ideen.

In der dänischen Stadt Fredericia wurden zum Beispiel Soldaten als Ampelmännchen verwendet, um an die Schlacht von Fredericia im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1849 zu erinnern.

Und in Prag ersetzte eine Künstlergruppe über Nacht die Standard-Ampelmännchen einiger Fußgängerampeln durch pinkelnde, trinkende und sonstige menschliche Regungen zeigende Variationen des Männchens.

Ja selbst die Stadt Hamburg hat sich über das EU-Edikt hinweggesetzt: An der Ampel vor dem Neubau der Behörde für Stadtentwickung und Umwelt, direkt gegenüber der Internationalen Gartenschau, wollte man für das noch immer erhoffte internationale Publikum auch ein international verständliches Fußgängersignal einsetzen, was aber bereits an deutschen Rechtsnormen – den Richtlinien für Signal-Anlagen (RiLSA) – scheiterte. Und so blieb ein Kompromiss: hier leuchtet das seinerzeit in der DDR verwendete und heute geduldete Ost-Ampelmännchen. Jenes überzeugt nicht nur als sympathischer Hutträger, sondern fällt auch durch seine prägnante Form auf. Eine Studie der Jacobs-Universität Bremen bewies sogar: anhand der Form des Ost-Ampelmännchens konnten die Studienteilnehmer erheblich schneller die jeweilige Bedeutung „gehen“ oder „stehen“ erkennen als bei seinem West-Pendant.


Das überzeugte den Langenhorner FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Robert Bläsing (der übrigens in Perleberg geboren ist und daher mit den Ost-Männchen bereits seit seiner Kindheit vertraut ist). In einer rot-gelbem Mini-Koalition mit dem Rahlstedter SPD Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter (der gebürtiger Hamburger und damit mit den West-Männchen groß geworden ist)verlangte er vom Senat, beim regelmäßigen Austausch von Ampeln anstelle der langweiligen Westmänner die sympathischen Hutträger einzusetzen – allein schon aus Gründen der besseren verkehrssicherheit.

Doch die Hamburger Verkehrsbehörde kneift, hat hat offenbar Angst vor einem Rüffel aus Brüssel: „Es ist derzeit nicht beabsichtigt, weitere ,Ost-Ampelmännchen‘ einzusetzen“, teilte der Senat auf Anfrage der beiden Abgeordneten mit. Die Langweiler aus Brüssel werden uns also wohl noch lange erhalten bleiben...   

Dienstag, 7. Mai 2013

Hamburgs Problem mit den Ehrenbürgern


Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn

Er sei ein Gegner der Demokratie gewesen und habe den Nationalsozialisten den Weg bereitet – das ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb der Name Hindenburg bei den Hamburger Grünen den Kamm schwellen lässt und sie alle Jahre wieder die Umbennennung der Hindenburgstraße und die Aberkennung des Ehrenbürgertitels fordern lässt.
Die Grünen machen es sich da recht einfach. Sie reissen die Figur Hindenburg aus dem geschichtlichen Zusammenhang. Sie vergessen dabei, dass Paul von Hindenburg durchaus eine bedeutsame und wichtige Persönlichkeit der Geschichte ist. Denn er wurde am 26. April 1925 in als Nachfolger Friedrich Eberts zum Reichspräsidenten gewählt und ist damit noch immer (!) das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das jemals vom Volk direkt gewählt wurde.
Demokratie und Menschenrechte sind eine noch recht moderne Erfindung – noch vor weniger als hundert Jahren wurden noch andere Maßstäbe an „Verdienste“ angelegt. Deshalb gäbe es noch jede Menge anderer Ehrenbürger, denen aber nach den Maßstäben der Grünen ebenfalls dringend der Titel aberkannt werden müsste.
Dem Kavalleriegeneral Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn (1778-1845) zum Beispiel: „Er betrachtete Hamburg als einen günstigen Standort, um sich selbst zu bereichern und einen ausschweifenden Lebenswandel zu führen. Um eine ernsthafte Verteidigung der Stadt bemühte er sich weniger als um das Eintreiben eines ‚Ehrengeschenks‘ von 5000 Friedrich d’or und seine Ernennung zum Ehrenbürger“ schreibt Andreas Fahl in seinem Buch „Das Hamburger Bürgermilitär“.
Auch Otto von Bismarck ist (anders als Adolf Hitler und Hermann Göring) noch immer Hamburgs Ehrenbürger – immerhin hat er das nicht gerade demokratieverdächtige preußische Kaiserreich maßgeblich geprägt.
Bismarck, dem die Hamburger sogar noch ein Denkmal setzten, wird von Historikern für das Scheitern der Demokratie in Deutschland verantwortlich gemacht. Sein Sozialistengesetz bekämpfte die Sozialdemokraten als „Reichsfeinde“ und erschwerte dasmit die Integration von Arbeitern und Sozialdemokratie in Staat und Gesellschaft.
In die gleiche Kerbe schlug auch der Noch-immer-Ehrenbürger Alfred Graf von Waldersee, der die Sozialdemokraten als „die größte Gefahr für das deutsche Kaiserreich“ sah und immer wieder eine Allianz von Kirche, Bürgertum und Militär forderte um Deutschland zu „retten“.
Wie problematisch die Bewertung historischer Personen und Zusammenhänge allein aus dem heutigem Blickwinkel zu sehen ist, zeigt sich an den Hitler-Attentätern um Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Dieser schrieb zum Beispiel noch 1939 aus Polen an seine Frau: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“
Das ist nur ein Indiz dafür, dass die Hitler-Attentäter trotz ihrer unbestrittenen historischen Verdienste nicht gerade ein Vorbild waren oder gar für eine parlamentarisch-demokratische Grundordnung standen. In ihrem Verschwörer-Eid, den Hermann Zeller in seinem Standardwerk „Geist der Freiheit – Der 20. Juli“ zitiert, verlangten sie vielmehr eine „Neue Ordnung“ , die zwar alle Deutschen zu Trägern des Staates machen und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgen sollte – aber auch nur in ganz engen Grenzen: „Wir (...) verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.“



Mittwoch, 9. Januar 2013

Mehr Qualität im Lokalen!



Sehr allgemein definiert ist eine Zeitung ein Druckwerk von mäßigem Seitenumfang, das in kurzen periodischen Zeitspannen, mindestens einmal wöchentlich, öffentlich erscheint. Für den Gattungsbegriff Zeitung ist es unerheblich, ob der Leser dafür bezahlen muss oder ob er das Produkt unentgeltlich erhält. Deshalb umfasst die Gattung Zeitung auch Gratiszeitungen oder kostenlos verteilte Anzeigenblätter. Vier Kriterien sollten gegeben sein, wenn man von einer Zeitung spricht: Aktualität (zeitnahe Berichterstattung), Periodizität (regelmäßiges Erscheinen), Publizität (öffentlich für alle Leser zugänglich) und Universalität (inhaltliche Vielfalt).

(aus wikipedia.de)



Es ist schon erstaunlich, wer oft am lautesten über das Zeitungssterben in unserem Land lamentiert - nämlich diejenigen, die dafür am ehesten verantwortlich sind: die Kaufleute in den Führungsetagen. Dass sie Geld verdienen wollen, dürfe man ihnen nicht übelnehmen, sagte vor vielen Jahrzehnten bereits Tucholsky. Dass sie aber nur Geld verdienen wollen, das müsse man ihnen übel nehmen. Und daran hat sich bis heute (leider) nichts geändert.

Die Zeiten in denen wachsendes Anzeigengeschäft und steigende Auflagen von alleine dafür sorgten, dass der Umsatz von Zeitungen und Zeitschriften immer weiter stieg sind wohl für immer vorbei. Aber allein die Gratiskultur im Internet dafür verantwortlich zu machen, dass es den Verlagen heute schlechter geht als in früheren Zeiten, ist zwar einfach, aber falsch.

Die "Ware Zeitung" ist etwas Besonderes. Das Vermitteln von Informationen ist ihre ureigenste Pflicht, egal, ob kostenloses Wochenblatt oder Hochglanzmagazin. Und nicht der Preis bestimmt deren Attraktivität für den Leser, sondern der Nutzwert. Doch statt den Nutzwert zu erhöhen fällt es meist leichter, den Rotstift in der Abteilung anzusetzen, die nur Geld kostet und nichts einnimmt und von deren Mitarbeitern man wohl oft nicht so genau weiß, was die eigentlich den lieben langen Tag machen: bei der Redaktion.

In Großverlagen kann man es sich besonders einfach machen, dort werden Objekte kurzerhand eingestellt.Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland sind die markantesten Opfer einer solchen Politik.

Weitgehend im Stillen und unbeobachtet von der Öffentlichkeit wütet dagegen der Rotstift dort, wo eigentlich die Zukunft des Journalismus sein könnte, nämlich bei den kleinen lokalen Zeitungen und Wochenblättern. Was in einer Kleinstadt, auf dem flachen Land oder in Stadtteilen einer Metropole geschieht, findet sich nur selten in den großen Nachrichtenportalen wieder. Doch für die Menschen sind gerade diese kleinen Blätter die wichtigste Informationsquelle, die auch Orientierung im direkten Wohnumfeld bietet. Doch hier die Qualität immer weiter herunterzuschrauben, ist der Beginn einer tödlichen Spirale.

In den Verlagen sind vor allem die kostenlosen Wochenblätter oft die Stiefkinder - obwohl sie für viele Leser das einzige Imformationsmedium sind. Statt gut ausgebildeter und in ihrem Arbeitsfeld weit vernetzter Redakteure, die ein Auge auf eine seriöse und qualitativ hochwertige Berichterstattung haben werden zumeist nur angelernte "Freie" eingesetzt, die Foto- und Zeilenhonorare bekommen, die - auf die aufgewandte Zeit umgerechnet - oft weit unterhalb des immer wieder diskutierten Mindestlohns liegen. "Ich habe sogar Leute, die würden für mich umsonst arbeiten" gab vor einiger Zeit ohne rot zu werden ein Anzeigenblattverleger zu.

Nur - ein Leser, der wissen will, was in seiner Nachbarschaft (oder gar in der Kommunalpolitik) geschieht, wird hier oft nur unzureichend informiert. Statt selbst recherchierter Geschichten werden per copy & paste Pressemitteilungen ungeprüft und ohne Gegenrecherche übernommen, aufwändige Themen oder auch Hintergrundinformationen bleiben auf der Strecke - einer der Gründe, weshalb solche Blätter ein schlechtes Image haben.

Eine Blatt, das das Ohr am Leser hat, das weiß, was er lesen will und was er nicht lesen will, wird langfristig erfolgreicher sein als das, das nur versucht, sich lukrativ erscheinende Marktanteile zu sichern.

Denn gerade im Sub-Lokalen ist noch Geld zu verdienen, mit Anzeigen von örtlichen Unternehmen, mit einem lokalen Stellenmarkt, mit Familien- und Kleinanzeigen. Voraussetzung ist aber, dass eine Zeitung für den Leser interessant ist - und auch für den Anzeigenkunden.

Doch auch hier müssen die Verlage lernen, mit zurückgehenden Umsätzen umzugehen. Zuzsätzliche Rabatte in Form von kostenlosen Werbetexten werden bisweilen als Mittel gesehen, Kunden bei der Stange zu halten. Geld verdient man mit so etwas nicht mehr, und weil dadurch der Platz für die "richtige" Lokalberichterstattung wegfällt, wird die Zeitung für den Leser noch unattraktiver.

Dass es auch anders gehen könnte, glaubt Harald Müsse, ehemals Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt. Er sagt: "Wenn die Anzeigenmenge pro Heft abnimmt steigt die Anzeigenbeachtung. Hier entsteht neuer Spielraum für Anzeigenpreiserhöhungen."

Premium statt Primitiv - solch ein Konzept kann nur dann aufgehen, wenn eine Zeitung (egal, ob Lokalzeitung oder kostenloses Anzeigenblatt) es schafft, ihr eigenes Profil zu schärfen und den Lesern seine örtliche Kompetenz zu vermitteln. Billig kann jeder - Erfolg zeigt sich daran, wie viele Zeitungen nicht gleich im Mülleimer landen.







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Dienstag, 13. November 2012

Das Ende ist nahe!




Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob von Hoddis


So viel ist sicher. Das Ende der Erde ist vorprogrammiert. In zwei bis zehn Milliarden Jahren wird der Andromedanebel mit der Milchstraße kollidieren, vorausgesetzt, unsere Sonne bläht sich in dieser Zeit nicht vorher zu einem Roten Riesen auf. Sicher ist das nicht. Denn oft genügen nur wenige Jahrhunderte, um hochwissenschaftliche und weltweit anerkannte Erkenntnisse über den Haufen zu werfen - denken wir nur an die Jahrhunderte gültige Aussage „Die Erde ist eine Scheibe“.

Wie viele „Weltuntergänge“ die Menschheit bereits erlebt hat, ist unklar. Totale Sonnenfinsternisse – wie im Jahr 1710 vor Christus – waren seit jeher Vorboten unglückseliger Ereignisse. Inzwischen hat man sich daran gewohnt. Auch an den Halley'schen Kometen.

Als 1911 bekannt wurde, daß die Erde dem (bereits 1531 erstmals erwähnten) Halleyschen Kometen relativ nahe kommen und dabei sogar den Kometenstreif durchqueren würde, geisterten auch in Hamburg Meldungen durch die Gazetten, dass giftige Gase des Kometenschweifes in die Erdatmosphäre eindringen und das Leben ein für alle Mal vernichten könnten. Oder gar: Das Ende der Welt stünde durch den Zusammenstoß mit diesem Kometen unmittelbar bevor.

Einige Jahre später, 1954, nachdem wieder mal nichts passiert war, wurde das Datum des Weltuntergangs auf den 30. Mai festgesetzt – allerdings nur in einem Karnevalsschlager.

Auch heute noch, in unserer ach so aufgeklärten Welt, haben selbsternannte Weltuntergangspropheten Hochkonjunktur. Als Belege werden meist irgendwelche alte Schriften herangezogen. Nostradamus soll zum Beispiel vor einigen Jahrhunderten in seinen "Centurien" verkündet haben: die Welt wird am 11. August 1999 untergehen. Tja, dumm gelaufen.

Schlichte Gemüter mögen gerne glauben, dass kosmische Schwingungen oder Konstellationen Unheil bringen. Denn eine unangenehme Eigenschaft des Menschen ist es, dass er seine Ängste projiziert, andere (im Zweifelsfall die Sterne oder sogar den lieben Gott) dafür verantwortlich macht, anstatt die Ursache bei sich selbst zu suchen.

photo by unknown via PhotoRee


Vor diesem Hintergrund mag man auch den derzeit durch die Medien geisternden Hype um den Maya-Kalender sehen, nach dem uns angeblich am 21. Dezember die gute alte Kugel um die Ohren fliegen soll. Belege dafür, dass das geschehen soll, gibt es nicht. Selbst die Maya-Wissenschaftler haben nach bisherigem Wissensstand so etwas nie behauptet.

Im Gegenteil: Archäologen entdeckten erst im Frühjahr in der Maya-Ruinenstadt Xultun in Wandmalereien den bislang ältesten Maya-Kalender. Er entstand im frühen 9. Jahrhundert. Den Weltuntergang sagen aber auch dessen Zahlenreihen nicht voraus, im Gegenteil: Der Kalender reicht mit 7000 Jahren weit in die Zukunft.

Statt sich über pseudowissenschaftlichen Hokuspokus den Kopf zu zerbrechen, sollen wir uns mehr über die viel aktuelleren Bedrohungen Gedanken machen. Den immer gravierer werdenden Klimawandel haben die meisten ja wohl inzwischen (warum eigentlich?) als Gefahr weitgehend verdrängt. Bleiben daher nur noch härtere Brocken: Den Ausbruch eines Supervulkans zum Beispiel.

Gut, Yellowstone ist weit weg, aber in Europa gibt es auch noch zwei von ihnen: Die Phlegräischen Felder bei Neapel und einen im östlichen Mittelmeer nahe der Insel Kos.

Auch ein kleinerer Vulkanausbruch könnte gewaltige Folgen haben: Wenn zum Beispiel die Westflanke des Vulkans Cumbre Vieja auf den Kanaren bei einem Ausbruch in den Atlantik stürzen würde, könnte das einen Mega-Tunami auslösen, der nach einer Stunde mit 100 Meter hohen Wellen die Küste Merokkos treffen und wenige Stunden später, 6000 Kilometer entfernt, New York mit 25 Meter hohen Brechern überfluten würde.



LINKS:


Die Chronik der (verpassten) Weltuntergänge


Why the world won't end




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Montag, 5. November 2012

Schlüssel-Erlebnis

Es gibt so‘ne und so‘ne“, heißt es im Volksmund, und das kann wohl jeder unterschreiben.

So gibt es nette Menschen und nicht so nette. Zu ersteren gehört die bescheidene ältere Dame, die seit vielen Jahren in einem Hochhaus in Langenhorn wohnt und dort regelmäßig treu und brav ihre Miete an eine große Hamburger Wohnungsbaugesellschaft zahlt.

Doch anders als die Dame gehört das Unternehmen offenbar zur zweiten Sorte Mensch, hält nett sein vermutlich für unnötigen Luxus. Und beim Geld, da hört ja sowieso der Spaß auf ...

Was war geschehen? Besagte Dame kam von einem Spaziergang nach Hause und betrat den Aufzug, der sie nach oben zu ihrer Wohnung bringen sollte.

Da passierte das Malheur: Das Schlüsselbund, das sie in der Hand trug, entglitt ihr, fiel zu Boden und rutschte in den Spalt an der Fahrstuhltür.

In ihrer Not wandte sich die Rentnerin an den Hausmeister, denn ohne den in den Fahrstuhlschacht gefallenen Schlüssel kam sie nicht in ihre Wohnung. Doch es gab ein Problem. Denn es gab zwar im Keller eine in den Fahrstuhlschacht führende Tür, für diese besaß der Hauswart allerdings keinen Schlüssel – er musste den Notdienst des Fahrstuhlherstellers rufen, der daraufhin einen Servicetechniker mit dem Auto aus Winterhude schickte. Dieser hatte einen Schlüssel – und wenige Sekunden später konnte die dankbare Rentnerin ihren verlorenen Schlüssel wieder in Empfang nehmen.

Das dicke Ende kam ein paar Tage später: Denn der Fahrstuhl-Notdienst hatte dem Vermieter eine Rechnung über 52,75 Euro für seine Bemühungen geschickt. So weit, so gut. Doch statt diesen Betrag stillschweigend bei den ohnehin regelmäßig anfallenden (und erheblich höheren) Wartungskosten für den Aufzug zu verbuchen, verfuhr man nach dem Verursacherprinzip und schickte die Rechnung kurzerhand an die nette ältere Dame weiter und forderte sie auf, diesen Betrag unverzüglich zu begleichen. Obwohl knapp 53 Euro für eine Rentnerin ein Haufen Geld ist, zahlte sie. Und weil sie jetzt nicht mehr an die Nettigkeit der Menschen glaubt, hat sie sich geschworen, nie wieder ihren Schlüssel zu verlieren.


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Ja, ja, die Statistik

Statistiken sind eine schöne Sache. Die richtige Zahl an der richtigen Stelle im Smalltalk fallen gelassen – schon gilt man als wahnsinnig kompetent und gut informiert.

Wer wagt schon zu widersprechen, wenn man behauptet, dass nachgewiesen ist, dass so gut wie jeder Familienhaushalt mit zwei Kindern mindestens über ein Fahrrad verfügt, aber meistens jedoch jedes Familienmitglied ein eigenes Rad besitzt. Und dass nur 79 Prozent der Paare ohne Kinder überhaupt ein Fahrrad besitzen ...

Gründlich, wie wir Deutschen sind, werden nicht nur Wahlverhalten, Ausländeranteil und Arbeitslose gezählt, sondern auch jede menschliche Regung dokumentiert. Wirklich jede. Und so wundert es nicht, dass auch die Verrichtung, zu der (wie man hört) selbst Könige zu Fuß gehen, statistisch erfasst wird.

So dokumentiert eine, durchaus ernst gemeinte, Statistik, dass pro „Sitzung“ durchschnittlich 8,6 Blatt Krepp-, Tissue- oder sonstiges Toilettenpapier benötigt werden – pro Kopf (??!) also 105 Rollen im Jahr.

Damit nicht genug: 40 Prozent der Nutzer falten nach diesen Ermittlungen bei Gebrauch das Papier, 40 Prozent zerknüllen es und 20 Prozent wickeln es um die Hand.
Es reicht noch immer nicht? 60 Prozent benutzen das Papier auch zum Naseputzen, 17 Prozent zum Aufwischen kleiner „Malheure“, acht Prozent zum Entfernen von Make-up, sieben Prozent zum Reinigen des Badezimmerspiegels und nur drei Prozent, um verschmierte Kinderhände und -gesichter zu putzen.

Warum man das alles wissen muss? Gute Frage. Manchmal drängt sich einem der Eindruck auf, dass Statistiker all diese Zahlen nur herausgeben, um zu dokumentieren, dass sie überhaupt etwas tun – und dass ihre Arbeit ganz, ganz schön wichtig ist..
Warum gibt es eigentlich keine Statistik darüber, wie viele Statistiken eigentlich absolut überflüssig sind? Denken wir beispielsweise an die im Internet publizierte Statistik des Kegelvereins „Die Parasiten“ aus Borkenwirthe/Burlo über „Gossenwürfe“, hier zu Lande „Pudel“ genannt: „Leider kann diese Statistik nur ein verfälschtes Ergebnis unserer Fähigkeiten im Bereich Kegelsport widerspiegeln“, heißt es dort: „Faktoren wie Bahnzustand, Zielwassermangel, Raumtemperatur, Geräuschkulisse und diverse Fotocollagen wirken sich negativ auf die Wurftechnik und Konzentration einiger weniger Kegelbrüder aus.“

Aber wie gesagt: Mit der richtigen Zahl am richtigen Ort kann man gewaltig Eindruck schinden. Halten wir uns lieber an Winston Churchill. Der sagte nämlich: „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe ...“


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Der Nachbar hört alles ...

"Musik wird als störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden“, kalauerte einst Wilhelm Busch. Zu seinen Zeiten gab es noch keine Kriminalstatistik und deshalb bollerte man mit Schrubber, Besen oder anderem passenden Werkzeug gegen die Zimmerdecke und brüllte ein lautes „Ruhe da oben!“"

Heute hören die Nachbarn genauer hin und reagieren erheblich differenzierter. Überlautes „Umpf – umpf – umpf“ zu mitternächtlicher Stunde deutet in der Regel auf eine Party im fortgeschrittenen Stadium hin, bei der man sich lieber diskret im Hintergrund hält und stattdessen eine Polizeistreife vorschickt, um die mehr oder weniger gestörte Nachtruhe wieder herzustellen.

Lautes Geschrei in der Nachbarwohnung, das irgendwann abrupt mit einem lauten Plumps oder Knall endet, führt ebenfalls meist zu einem Anruf bei der Polizei – oder bei einer einschlägig bekannten Boulevardzeitung.

Gleiches gilt zumeist für Hilferufe, selbst (man ist ja gebildet) wenn sie in einer fremden Sprache ertönen.

So passierte es vor einiger Zeit kurz vor Mitternacht in Langenhorn. Ein Mieter hatte aus einer Nachbarwohnung ein lautes und erbärmlich klingendes „Help me, help me“ gehört und folgerichtig die Polizei alarmiert.

Mehrere Peterwagen eilten zum mutmaßlichen Tatort. Vorsichtig klingelten Beamte an der Wohnungstür und trafen auf einen sichtlich verwunderten Bewohner.
Hilferufe? Aus seiner Wohnung? Nein. Er habe doch die ganze Zeit geübt und überhaupt nichts davon mitbekommen. Aber, siehe da: Der 33-Jährige hatte – um die Nachbarn nicht zu stören mit Hilfe von Kopfhörern – einen alten Beatles-Klassiker einstudiert: „Help“ ...


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