Dienstag, 13. November 2012

Das Ende ist nahe!




Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob von Hoddis


So viel ist sicher. Das Ende der Erde ist vorprogrammiert. In zwei bis zehn Milliarden Jahren wird der Andromedanebel mit der Milchstraße kollidieren, vorausgesetzt, unsere Sonne bläht sich in dieser Zeit nicht vorher zu einem Roten Riesen auf. Sicher ist das nicht. Denn oft genügen nur wenige Jahrhunderte, um hochwissenschaftliche und weltweit anerkannte Erkenntnisse über den Haufen zu werfen - denken wir nur an die Jahrhunderte gültige Aussage „Die Erde ist eine Scheibe“.

Wie viele „Weltuntergänge“ die Menschheit bereits erlebt hat, ist unklar. Totale Sonnenfinsternisse – wie im Jahr 1710 vor Christus – waren seit jeher Vorboten unglückseliger Ereignisse. Inzwischen hat man sich daran gewohnt. Auch an den Halley'schen Kometen.

Als 1911 bekannt wurde, daß die Erde dem (bereits 1531 erstmals erwähnten) Halleyschen Kometen relativ nahe kommen und dabei sogar den Kometenstreif durchqueren würde, geisterten auch in Hamburg Meldungen durch die Gazetten, dass giftige Gase des Kometenschweifes in die Erdatmosphäre eindringen und das Leben ein für alle Mal vernichten könnten. Oder gar: Das Ende der Welt stünde durch den Zusammenstoß mit diesem Kometen unmittelbar bevor.

Einige Jahre später, 1954, nachdem wieder mal nichts passiert war, wurde das Datum des Weltuntergangs auf den 30. Mai festgesetzt – allerdings nur in einem Karnevalsschlager.

Auch heute noch, in unserer ach so aufgeklärten Welt, haben selbsternannte Weltuntergangspropheten Hochkonjunktur. Als Belege werden meist irgendwelche alte Schriften herangezogen. Nostradamus soll zum Beispiel vor einigen Jahrhunderten in seinen "Centurien" verkündet haben: die Welt wird am 11. August 1999 untergehen. Tja, dumm gelaufen.

Schlichte Gemüter mögen gerne glauben, dass kosmische Schwingungen oder Konstellationen Unheil bringen. Denn eine unangenehme Eigenschaft des Menschen ist es, dass er seine Ängste projiziert, andere (im Zweifelsfall die Sterne oder sogar den lieben Gott) dafür verantwortlich macht, anstatt die Ursache bei sich selbst zu suchen.

photo by unknown via PhotoRee


Vor diesem Hintergrund mag man auch den derzeit durch die Medien geisternden Hype um den Maya-Kalender sehen, nach dem uns angeblich am 21. Dezember die gute alte Kugel um die Ohren fliegen soll. Belege dafür, dass das geschehen soll, gibt es nicht. Selbst die Maya-Wissenschaftler haben nach bisherigem Wissensstand so etwas nie behauptet.

Im Gegenteil: Archäologen entdeckten erst im Frühjahr in der Maya-Ruinenstadt Xultun in Wandmalereien den bislang ältesten Maya-Kalender. Er entstand im frühen 9. Jahrhundert. Den Weltuntergang sagen aber auch dessen Zahlenreihen nicht voraus, im Gegenteil: Der Kalender reicht mit 7000 Jahren weit in die Zukunft.

Statt sich über pseudowissenschaftlichen Hokuspokus den Kopf zu zerbrechen, sollen wir uns mehr über die viel aktuelleren Bedrohungen Gedanken machen. Den immer gravierer werdenden Klimawandel haben die meisten ja wohl inzwischen (warum eigentlich?) als Gefahr weitgehend verdrängt. Bleiben daher nur noch härtere Brocken: Den Ausbruch eines Supervulkans zum Beispiel.

Gut, Yellowstone ist weit weg, aber in Europa gibt es auch noch zwei von ihnen: Die Phlegräischen Felder bei Neapel und einen im östlichen Mittelmeer nahe der Insel Kos.

Auch ein kleinerer Vulkanausbruch könnte gewaltige Folgen haben: Wenn zum Beispiel die Westflanke des Vulkans Cumbre Vieja auf den Kanaren bei einem Ausbruch in den Atlantik stürzen würde, könnte das einen Mega-Tunami auslösen, der nach einer Stunde mit 100 Meter hohen Wellen die Küste Merokkos treffen und wenige Stunden später, 6000 Kilometer entfernt, New York mit 25 Meter hohen Brechern überfluten würde.



LINKS:


Die Chronik der (verpassten) Weltuntergänge


Why the world won't end




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Montag, 5. November 2012

Schlüssel-Erlebnis

Es gibt so‘ne und so‘ne“, heißt es im Volksmund, und das kann wohl jeder unterschreiben.

So gibt es nette Menschen und nicht so nette. Zu ersteren gehört die bescheidene ältere Dame, die seit vielen Jahren in einem Hochhaus in Langenhorn wohnt und dort regelmäßig treu und brav ihre Miete an eine große Hamburger Wohnungsbaugesellschaft zahlt.

Doch anders als die Dame gehört das Unternehmen offenbar zur zweiten Sorte Mensch, hält nett sein vermutlich für unnötigen Luxus. Und beim Geld, da hört ja sowieso der Spaß auf ...

Was war geschehen? Besagte Dame kam von einem Spaziergang nach Hause und betrat den Aufzug, der sie nach oben zu ihrer Wohnung bringen sollte.

Da passierte das Malheur: Das Schlüsselbund, das sie in der Hand trug, entglitt ihr, fiel zu Boden und rutschte in den Spalt an der Fahrstuhltür.

In ihrer Not wandte sich die Rentnerin an den Hausmeister, denn ohne den in den Fahrstuhlschacht gefallenen Schlüssel kam sie nicht in ihre Wohnung. Doch es gab ein Problem. Denn es gab zwar im Keller eine in den Fahrstuhlschacht führende Tür, für diese besaß der Hauswart allerdings keinen Schlüssel – er musste den Notdienst des Fahrstuhlherstellers rufen, der daraufhin einen Servicetechniker mit dem Auto aus Winterhude schickte. Dieser hatte einen Schlüssel – und wenige Sekunden später konnte die dankbare Rentnerin ihren verlorenen Schlüssel wieder in Empfang nehmen.

Das dicke Ende kam ein paar Tage später: Denn der Fahrstuhl-Notdienst hatte dem Vermieter eine Rechnung über 52,75 Euro für seine Bemühungen geschickt. So weit, so gut. Doch statt diesen Betrag stillschweigend bei den ohnehin regelmäßig anfallenden (und erheblich höheren) Wartungskosten für den Aufzug zu verbuchen, verfuhr man nach dem Verursacherprinzip und schickte die Rechnung kurzerhand an die nette ältere Dame weiter und forderte sie auf, diesen Betrag unverzüglich zu begleichen. Obwohl knapp 53 Euro für eine Rentnerin ein Haufen Geld ist, zahlte sie. Und weil sie jetzt nicht mehr an die Nettigkeit der Menschen glaubt, hat sie sich geschworen, nie wieder ihren Schlüssel zu verlieren.


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Ja, ja, die Statistik

Statistiken sind eine schöne Sache. Die richtige Zahl an der richtigen Stelle im Smalltalk fallen gelassen – schon gilt man als wahnsinnig kompetent und gut informiert.

Wer wagt schon zu widersprechen, wenn man behauptet, dass nachgewiesen ist, dass so gut wie jeder Familienhaushalt mit zwei Kindern mindestens über ein Fahrrad verfügt, aber meistens jedoch jedes Familienmitglied ein eigenes Rad besitzt. Und dass nur 79 Prozent der Paare ohne Kinder überhaupt ein Fahrrad besitzen ...

Gründlich, wie wir Deutschen sind, werden nicht nur Wahlverhalten, Ausländeranteil und Arbeitslose gezählt, sondern auch jede menschliche Regung dokumentiert. Wirklich jede. Und so wundert es nicht, dass auch die Verrichtung, zu der (wie man hört) selbst Könige zu Fuß gehen, statistisch erfasst wird.

So dokumentiert eine, durchaus ernst gemeinte, Statistik, dass pro „Sitzung“ durchschnittlich 8,6 Blatt Krepp-, Tissue- oder sonstiges Toilettenpapier benötigt werden – pro Kopf (??!) also 105 Rollen im Jahr.

Damit nicht genug: 40 Prozent der Nutzer falten nach diesen Ermittlungen bei Gebrauch das Papier, 40 Prozent zerknüllen es und 20 Prozent wickeln es um die Hand.
Es reicht noch immer nicht? 60 Prozent benutzen das Papier auch zum Naseputzen, 17 Prozent zum Aufwischen kleiner „Malheure“, acht Prozent zum Entfernen von Make-up, sieben Prozent zum Reinigen des Badezimmerspiegels und nur drei Prozent, um verschmierte Kinderhände und -gesichter zu putzen.

Warum man das alles wissen muss? Gute Frage. Manchmal drängt sich einem der Eindruck auf, dass Statistiker all diese Zahlen nur herausgeben, um zu dokumentieren, dass sie überhaupt etwas tun – und dass ihre Arbeit ganz, ganz schön wichtig ist..
Warum gibt es eigentlich keine Statistik darüber, wie viele Statistiken eigentlich absolut überflüssig sind? Denken wir beispielsweise an die im Internet publizierte Statistik des Kegelvereins „Die Parasiten“ aus Borkenwirthe/Burlo über „Gossenwürfe“, hier zu Lande „Pudel“ genannt: „Leider kann diese Statistik nur ein verfälschtes Ergebnis unserer Fähigkeiten im Bereich Kegelsport widerspiegeln“, heißt es dort: „Faktoren wie Bahnzustand, Zielwassermangel, Raumtemperatur, Geräuschkulisse und diverse Fotocollagen wirken sich negativ auf die Wurftechnik und Konzentration einiger weniger Kegelbrüder aus.“

Aber wie gesagt: Mit der richtigen Zahl am richtigen Ort kann man gewaltig Eindruck schinden. Halten wir uns lieber an Winston Churchill. Der sagte nämlich: „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe ...“


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Der Nachbar hört alles ...

"Musik wird als störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden“, kalauerte einst Wilhelm Busch. Zu seinen Zeiten gab es noch keine Kriminalstatistik und deshalb bollerte man mit Schrubber, Besen oder anderem passenden Werkzeug gegen die Zimmerdecke und brüllte ein lautes „Ruhe da oben!“"

Heute hören die Nachbarn genauer hin und reagieren erheblich differenzierter. Überlautes „Umpf – umpf – umpf“ zu mitternächtlicher Stunde deutet in der Regel auf eine Party im fortgeschrittenen Stadium hin, bei der man sich lieber diskret im Hintergrund hält und stattdessen eine Polizeistreife vorschickt, um die mehr oder weniger gestörte Nachtruhe wieder herzustellen.

Lautes Geschrei in der Nachbarwohnung, das irgendwann abrupt mit einem lauten Plumps oder Knall endet, führt ebenfalls meist zu einem Anruf bei der Polizei – oder bei einer einschlägig bekannten Boulevardzeitung.

Gleiches gilt zumeist für Hilferufe, selbst (man ist ja gebildet) wenn sie in einer fremden Sprache ertönen.

So passierte es vor einiger Zeit kurz vor Mitternacht in Langenhorn. Ein Mieter hatte aus einer Nachbarwohnung ein lautes und erbärmlich klingendes „Help me, help me“ gehört und folgerichtig die Polizei alarmiert.

Mehrere Peterwagen eilten zum mutmaßlichen Tatort. Vorsichtig klingelten Beamte an der Wohnungstür und trafen auf einen sichtlich verwunderten Bewohner.
Hilferufe? Aus seiner Wohnung? Nein. Er habe doch die ganze Zeit geübt und überhaupt nichts davon mitbekommen. Aber, siehe da: Der 33-Jährige hatte – um die Nachbarn nicht zu stören mit Hilfe von Kopfhörern – einen alten Beatles-Klassiker einstudiert: „Help“ ...


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... aber warum gerade Tomatensaft?

Das Phänomen „Tomatensaft im Flugzeug“ gehört zu den letzten großen  ungeklärten Rätseln der Luftfahrt. Warum dieses Getränk in Supermärkten  wie Blei im Regal steht – aber in Flugzeugen geliebt wird, darüber wird  auch von renommierten Wissenschaftlern spekuliert. 1993 hagelte es  jedenfalls heftige Beschwerden von Passagieren, als Lufthansa das  Getränk von der Bordkarte strich. Das Ergebnis: 48 Stunden später wurde  der rote Saft wieder ausgeschenkt.

Nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaftindustrie werden in  Deutschland jährlich rund 40 Millionen Liter Tomatensaft getrunken.
Allein die Lufthansa schenkt über den Wolken jährlich rund 1,5 Millionen  Liter Tomatensaft aus. Hochgerechnet auf alle Fluglinien, ist davon  auszugehen, dass bis zu fünf Prozent des Tomatensaftes an Bord von  Flugzeugen konsumiert wird. Beim Orangensaft beträgt der „Luftanteil“  nur etwa 0,4 Prozent. Eine wirklich plausible Erklärung hat kaum einer.

Da wird von erhöhtem Mineralstoffbedarf des Körpers beim Fliegen  gesprochen, vom flauem Gefühl im Magen, das durch den roten Saft  gelindert wird oder auch, weil durch die dünne Luft im Flugzeug die  Geschmacksempfindungen beeinträchtigt sind.
Und auch das Argument, dass Tomatensaft eins der wenigen Getränke ist,  die nicht harntreibend wirken (wer will schon im Flugzeug auf die Toilette?), klingt nicht wirklich überzeugend.>br>


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