Montag, 5. November 2012

Der Nachbar hört alles ...

"Musik wird als störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden“, kalauerte einst Wilhelm Busch. Zu seinen Zeiten gab es noch keine Kriminalstatistik und deshalb bollerte man mit Schrubber, Besen oder anderem passenden Werkzeug gegen die Zimmerdecke und brüllte ein lautes „Ruhe da oben!“"

Heute hören die Nachbarn genauer hin und reagieren erheblich differenzierter. Überlautes „Umpf – umpf – umpf“ zu mitternächtlicher Stunde deutet in der Regel auf eine Party im fortgeschrittenen Stadium hin, bei der man sich lieber diskret im Hintergrund hält und stattdessen eine Polizeistreife vorschickt, um die mehr oder weniger gestörte Nachtruhe wieder herzustellen.

Lautes Geschrei in der Nachbarwohnung, das irgendwann abrupt mit einem lauten Plumps oder Knall endet, führt ebenfalls meist zu einem Anruf bei der Polizei – oder bei einer einschlägig bekannten Boulevardzeitung.

Gleiches gilt zumeist für Hilferufe, selbst (man ist ja gebildet) wenn sie in einer fremden Sprache ertönen.

So passierte es vor einiger Zeit kurz vor Mitternacht in Langenhorn. Ein Mieter hatte aus einer Nachbarwohnung ein lautes und erbärmlich klingendes „Help me, help me“ gehört und folgerichtig die Polizei alarmiert.

Mehrere Peterwagen eilten zum mutmaßlichen Tatort. Vorsichtig klingelten Beamte an der Wohnungstür und trafen auf einen sichtlich verwunderten Bewohner.
Hilferufe? Aus seiner Wohnung? Nein. Er habe doch die ganze Zeit geübt und überhaupt nichts davon mitbekommen. Aber, siehe da: Der 33-Jährige hatte – um die Nachbarn nicht zu stören mit Hilfe von Kopfhörern – einen alten Beatles-Klassiker einstudiert: „Help“ ...


Zurück zur Homepage

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen