Montag, 5. November 2012

Ja, ja, die Statistik

Statistiken sind eine schöne Sache. Die richtige Zahl an der richtigen Stelle im Smalltalk fallen gelassen – schon gilt man als wahnsinnig kompetent und gut informiert.

Wer wagt schon zu widersprechen, wenn man behauptet, dass nachgewiesen ist, dass so gut wie jeder Familienhaushalt mit zwei Kindern mindestens über ein Fahrrad verfügt, aber meistens jedoch jedes Familienmitglied ein eigenes Rad besitzt. Und dass nur 79 Prozent der Paare ohne Kinder überhaupt ein Fahrrad besitzen ...

Gründlich, wie wir Deutschen sind, werden nicht nur Wahlverhalten, Ausländeranteil und Arbeitslose gezählt, sondern auch jede menschliche Regung dokumentiert. Wirklich jede. Und so wundert es nicht, dass auch die Verrichtung, zu der (wie man hört) selbst Könige zu Fuß gehen, statistisch erfasst wird.

So dokumentiert eine, durchaus ernst gemeinte, Statistik, dass pro „Sitzung“ durchschnittlich 8,6 Blatt Krepp-, Tissue- oder sonstiges Toilettenpapier benötigt werden – pro Kopf (??!) also 105 Rollen im Jahr.

Damit nicht genug: 40 Prozent der Nutzer falten nach diesen Ermittlungen bei Gebrauch das Papier, 40 Prozent zerknüllen es und 20 Prozent wickeln es um die Hand.
Es reicht noch immer nicht? 60 Prozent benutzen das Papier auch zum Naseputzen, 17 Prozent zum Aufwischen kleiner „Malheure“, acht Prozent zum Entfernen von Make-up, sieben Prozent zum Reinigen des Badezimmerspiegels und nur drei Prozent, um verschmierte Kinderhände und -gesichter zu putzen.

Warum man das alles wissen muss? Gute Frage. Manchmal drängt sich einem der Eindruck auf, dass Statistiker all diese Zahlen nur herausgeben, um zu dokumentieren, dass sie überhaupt etwas tun – und dass ihre Arbeit ganz, ganz schön wichtig ist..
Warum gibt es eigentlich keine Statistik darüber, wie viele Statistiken eigentlich absolut überflüssig sind? Denken wir beispielsweise an die im Internet publizierte Statistik des Kegelvereins „Die Parasiten“ aus Borkenwirthe/Burlo über „Gossenwürfe“, hier zu Lande „Pudel“ genannt: „Leider kann diese Statistik nur ein verfälschtes Ergebnis unserer Fähigkeiten im Bereich Kegelsport widerspiegeln“, heißt es dort: „Faktoren wie Bahnzustand, Zielwassermangel, Raumtemperatur, Geräuschkulisse und diverse Fotocollagen wirken sich negativ auf die Wurftechnik und Konzentration einiger weniger Kegelbrüder aus.“

Aber wie gesagt: Mit der richtigen Zahl am richtigen Ort kann man gewaltig Eindruck schinden. Halten wir uns lieber an Winston Churchill. Der sagte nämlich: „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe ...“


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