Montag, 5. November 2012

Schlüssel-Erlebnis

Es gibt so‘ne und so‘ne“, heißt es im Volksmund, und das kann wohl jeder unterschreiben.

So gibt es nette Menschen und nicht so nette. Zu ersteren gehört die bescheidene ältere Dame, die seit vielen Jahren in einem Hochhaus in Langenhorn wohnt und dort regelmäßig treu und brav ihre Miete an eine große Hamburger Wohnungsbaugesellschaft zahlt.

Doch anders als die Dame gehört das Unternehmen offenbar zur zweiten Sorte Mensch, hält nett sein vermutlich für unnötigen Luxus. Und beim Geld, da hört ja sowieso der Spaß auf ...

Was war geschehen? Besagte Dame kam von einem Spaziergang nach Hause und betrat den Aufzug, der sie nach oben zu ihrer Wohnung bringen sollte.

Da passierte das Malheur: Das Schlüsselbund, das sie in der Hand trug, entglitt ihr, fiel zu Boden und rutschte in den Spalt an der Fahrstuhltür.

In ihrer Not wandte sich die Rentnerin an den Hausmeister, denn ohne den in den Fahrstuhlschacht gefallenen Schlüssel kam sie nicht in ihre Wohnung. Doch es gab ein Problem. Denn es gab zwar im Keller eine in den Fahrstuhlschacht führende Tür, für diese besaß der Hauswart allerdings keinen Schlüssel – er musste den Notdienst des Fahrstuhlherstellers rufen, der daraufhin einen Servicetechniker mit dem Auto aus Winterhude schickte. Dieser hatte einen Schlüssel – und wenige Sekunden später konnte die dankbare Rentnerin ihren verlorenen Schlüssel wieder in Empfang nehmen.

Das dicke Ende kam ein paar Tage später: Denn der Fahrstuhl-Notdienst hatte dem Vermieter eine Rechnung über 52,75 Euro für seine Bemühungen geschickt. So weit, so gut. Doch statt diesen Betrag stillschweigend bei den ohnehin regelmäßig anfallenden (und erheblich höheren) Wartungskosten für den Aufzug zu verbuchen, verfuhr man nach dem Verursacherprinzip und schickte die Rechnung kurzerhand an die nette ältere Dame weiter und forderte sie auf, diesen Betrag unverzüglich zu begleichen. Obwohl knapp 53 Euro für eine Rentnerin ein Haufen Geld ist, zahlte sie. Und weil sie jetzt nicht mehr an die Nettigkeit der Menschen glaubt, hat sie sich geschworen, nie wieder ihren Schlüssel zu verlieren.


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