Mittwoch, 9. Januar 2013

Mehr Qualität im Lokalen!



Sehr allgemein definiert ist eine Zeitung ein Druckwerk von mäßigem Seitenumfang, das in kurzen periodischen Zeitspannen, mindestens einmal wöchentlich, öffentlich erscheint. Für den Gattungsbegriff Zeitung ist es unerheblich, ob der Leser dafür bezahlen muss oder ob er das Produkt unentgeltlich erhält. Deshalb umfasst die Gattung Zeitung auch Gratiszeitungen oder kostenlos verteilte Anzeigenblätter. Vier Kriterien sollten gegeben sein, wenn man von einer Zeitung spricht: Aktualität (zeitnahe Berichterstattung), Periodizität (regelmäßiges Erscheinen), Publizität (öffentlich für alle Leser zugänglich) und Universalität (inhaltliche Vielfalt).

(aus wikipedia.de)



Es ist schon erstaunlich, wer oft am lautesten über das Zeitungssterben in unserem Land lamentiert - nämlich diejenigen, die dafür am ehesten verantwortlich sind: die Kaufleute in den Führungsetagen. Dass sie Geld verdienen wollen, dürfe man ihnen nicht übelnehmen, sagte vor vielen Jahrzehnten bereits Tucholsky. Dass sie aber nur Geld verdienen wollen, das müsse man ihnen übel nehmen. Und daran hat sich bis heute (leider) nichts geändert.

Die Zeiten in denen wachsendes Anzeigengeschäft und steigende Auflagen von alleine dafür sorgten, dass der Umsatz von Zeitungen und Zeitschriften immer weiter stieg sind wohl für immer vorbei. Aber allein die Gratiskultur im Internet dafür verantwortlich zu machen, dass es den Verlagen heute schlechter geht als in früheren Zeiten, ist zwar einfach, aber falsch.

Die "Ware Zeitung" ist etwas Besonderes. Das Vermitteln von Informationen ist ihre ureigenste Pflicht, egal, ob kostenloses Wochenblatt oder Hochglanzmagazin. Und nicht der Preis bestimmt deren Attraktivität für den Leser, sondern der Nutzwert. Doch statt den Nutzwert zu erhöhen fällt es meist leichter, den Rotstift in der Abteilung anzusetzen, die nur Geld kostet und nichts einnimmt und von deren Mitarbeitern man wohl oft nicht so genau weiß, was die eigentlich den lieben langen Tag machen: bei der Redaktion.

In Großverlagen kann man es sich besonders einfach machen, dort werden Objekte kurzerhand eingestellt.Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland sind die markantesten Opfer einer solchen Politik.

Weitgehend im Stillen und unbeobachtet von der Öffentlichkeit wütet dagegen der Rotstift dort, wo eigentlich die Zukunft des Journalismus sein könnte, nämlich bei den kleinen lokalen Zeitungen und Wochenblättern. Was in einer Kleinstadt, auf dem flachen Land oder in Stadtteilen einer Metropole geschieht, findet sich nur selten in den großen Nachrichtenportalen wieder. Doch für die Menschen sind gerade diese kleinen Blätter die wichtigste Informationsquelle, die auch Orientierung im direkten Wohnumfeld bietet. Doch hier die Qualität immer weiter herunterzuschrauben, ist der Beginn einer tödlichen Spirale.

In den Verlagen sind vor allem die kostenlosen Wochenblätter oft die Stiefkinder - obwohl sie für viele Leser das einzige Imformationsmedium sind. Statt gut ausgebildeter und in ihrem Arbeitsfeld weit vernetzter Redakteure, die ein Auge auf eine seriöse und qualitativ hochwertige Berichterstattung haben werden zumeist nur angelernte "Freie" eingesetzt, die Foto- und Zeilenhonorare bekommen, die - auf die aufgewandte Zeit umgerechnet - oft weit unterhalb des immer wieder diskutierten Mindestlohns liegen. "Ich habe sogar Leute, die würden für mich umsonst arbeiten" gab vor einiger Zeit ohne rot zu werden ein Anzeigenblattverleger zu.

Nur - ein Leser, der wissen will, was in seiner Nachbarschaft (oder gar in der Kommunalpolitik) geschieht, wird hier oft nur unzureichend informiert. Statt selbst recherchierter Geschichten werden per copy & paste Pressemitteilungen ungeprüft und ohne Gegenrecherche übernommen, aufwändige Themen oder auch Hintergrundinformationen bleiben auf der Strecke - einer der Gründe, weshalb solche Blätter ein schlechtes Image haben.

Eine Blatt, das das Ohr am Leser hat, das weiß, was er lesen will und was er nicht lesen will, wird langfristig erfolgreicher sein als das, das nur versucht, sich lukrativ erscheinende Marktanteile zu sichern.

Denn gerade im Sub-Lokalen ist noch Geld zu verdienen, mit Anzeigen von örtlichen Unternehmen, mit einem lokalen Stellenmarkt, mit Familien- und Kleinanzeigen. Voraussetzung ist aber, dass eine Zeitung für den Leser interessant ist - und auch für den Anzeigenkunden.

Doch auch hier müssen die Verlage lernen, mit zurückgehenden Umsätzen umzugehen. Zuzsätzliche Rabatte in Form von kostenlosen Werbetexten werden bisweilen als Mittel gesehen, Kunden bei der Stange zu halten. Geld verdient man mit so etwas nicht mehr, und weil dadurch der Platz für die "richtige" Lokalberichterstattung wegfällt, wird die Zeitung für den Leser noch unattraktiver.

Dass es auch anders gehen könnte, glaubt Harald Müsse, ehemals Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt. Er sagt: "Wenn die Anzeigenmenge pro Heft abnimmt steigt die Anzeigenbeachtung. Hier entsteht neuer Spielraum für Anzeigenpreiserhöhungen."

Premium statt Primitiv - solch ein Konzept kann nur dann aufgehen, wenn eine Zeitung (egal, ob Lokalzeitung oder kostenloses Anzeigenblatt) es schafft, ihr eigenes Profil zu schärfen und den Lesern seine örtliche Kompetenz zu vermitteln. Billig kann jeder - Erfolg zeigt sich daran, wie viele Zeitungen nicht gleich im Mülleimer landen.







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