Dienstag, 7. Mai 2013

Hamburgs Problem mit den Ehrenbürgern


Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn

Er sei ein Gegner der Demokratie gewesen und habe den Nationalsozialisten den Weg bereitet – das ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb der Name Hindenburg bei den Hamburger Grünen den Kamm schwellen lässt und sie alle Jahre wieder die Umbennennung der Hindenburgstraße und die Aberkennung des Ehrenbürgertitels fordern lässt.
Die Grünen machen es sich da recht einfach. Sie reissen die Figur Hindenburg aus dem geschichtlichen Zusammenhang. Sie vergessen dabei, dass Paul von Hindenburg durchaus eine bedeutsame und wichtige Persönlichkeit der Geschichte ist. Denn er wurde am 26. April 1925 in als Nachfolger Friedrich Eberts zum Reichspräsidenten gewählt und ist damit noch immer (!) das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das jemals vom Volk direkt gewählt wurde.
Demokratie und Menschenrechte sind eine noch recht moderne Erfindung – noch vor weniger als hundert Jahren wurden noch andere Maßstäbe an „Verdienste“ angelegt. Deshalb gäbe es noch jede Menge anderer Ehrenbürger, denen aber nach den Maßstäben der Grünen ebenfalls dringend der Titel aberkannt werden müsste.
Dem Kavalleriegeneral Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn (1778-1845) zum Beispiel: „Er betrachtete Hamburg als einen günstigen Standort, um sich selbst zu bereichern und einen ausschweifenden Lebenswandel zu führen. Um eine ernsthafte Verteidigung der Stadt bemühte er sich weniger als um das Eintreiben eines ‚Ehrengeschenks‘ von 5000 Friedrich d’or und seine Ernennung zum Ehrenbürger“ schreibt Andreas Fahl in seinem Buch „Das Hamburger Bürgermilitär“.
Auch Otto von Bismarck ist (anders als Adolf Hitler und Hermann Göring) noch immer Hamburgs Ehrenbürger – immerhin hat er das nicht gerade demokratieverdächtige preußische Kaiserreich maßgeblich geprägt.
Bismarck, dem die Hamburger sogar noch ein Denkmal setzten, wird von Historikern für das Scheitern der Demokratie in Deutschland verantwortlich gemacht. Sein Sozialistengesetz bekämpfte die Sozialdemokraten als „Reichsfeinde“ und erschwerte dasmit die Integration von Arbeitern und Sozialdemokratie in Staat und Gesellschaft.
In die gleiche Kerbe schlug auch der Noch-immer-Ehrenbürger Alfred Graf von Waldersee, der die Sozialdemokraten als „die größte Gefahr für das deutsche Kaiserreich“ sah und immer wieder eine Allianz von Kirche, Bürgertum und Militär forderte um Deutschland zu „retten“.
Wie problematisch die Bewertung historischer Personen und Zusammenhänge allein aus dem heutigem Blickwinkel zu sehen ist, zeigt sich an den Hitler-Attentätern um Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Dieser schrieb zum Beispiel noch 1939 aus Polen an seine Frau: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“
Das ist nur ein Indiz dafür, dass die Hitler-Attentäter trotz ihrer unbestrittenen historischen Verdienste nicht gerade ein Vorbild waren oder gar für eine parlamentarisch-demokratische Grundordnung standen. In ihrem Verschwörer-Eid, den Hermann Zeller in seinem Standardwerk „Geist der Freiheit – Der 20. Juli“ zitiert, verlangten sie vielmehr eine „Neue Ordnung“ , die zwar alle Deutschen zu Trägern des Staates machen und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgen sollte – aber auch nur in ganz engen Grenzen: „Wir (...) verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.“



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