Donnerstag, 27. Juni 2013

Europäische Regulierungswut

Die spinnen, die EU-Bürokraten! Nicht nur, dass Brüssel schon die Banane genormt hat (Mindestmaße: Länge 14 cm, Dicke 2,7 cm), den Krümmungsgrad von Gurken vorschreiben wollte und selbst von weitgehend hochgebirgsfreien Bundesländern wie Bremen und Hamburg die Verabschiedung eines Seilbahngesetzes fordert, nein, man will offenbar auch eine eigene europäische „Corporate Identity“ schaffen, wozu auch die Vereinheitlichung selbst so profaner Dinge wie die Ampelmännchen gehört.

Zu diesem Zweck wurde das so genannte „Euromännchen“ entwickelt, das in neuen Ampelanlagen europaweit eingebaut wird.

Doch der Widerstand regt sich: An einigen Ampeln in Deutschland wurden heimlich die Sinnbilder verändert, so dass Ampelmännchen mit Regenschirm oder Rucksack entstanden. Im Ausland gab es sogar noch erheblich kreativere Ideen.

In der dänischen Stadt Fredericia wurden zum Beispiel Soldaten als Ampelmännchen verwendet, um an die Schlacht von Fredericia im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1849 zu erinnern.

Und in Prag ersetzte eine Künstlergruppe über Nacht die Standard-Ampelmännchen einiger Fußgängerampeln durch pinkelnde, trinkende und sonstige menschliche Regungen zeigende Variationen des Männchens.

Ja selbst die Stadt Hamburg hat sich über das EU-Edikt hinweggesetzt: An der Ampel vor dem Neubau der Behörde für Stadtentwickung und Umwelt, direkt gegenüber der Internationalen Gartenschau, wollte man für das noch immer erhoffte internationale Publikum auch ein international verständliches Fußgängersignal einsetzen, was aber bereits an deutschen Rechtsnormen – den Richtlinien für Signal-Anlagen (RiLSA) – scheiterte. Und so blieb ein Kompromiss: hier leuchtet das seinerzeit in der DDR verwendete und heute geduldete Ost-Ampelmännchen. Jenes überzeugt nicht nur als sympathischer Hutträger, sondern fällt auch durch seine prägnante Form auf. Eine Studie der Jacobs-Universität Bremen bewies sogar: anhand der Form des Ost-Ampelmännchens konnten die Studienteilnehmer erheblich schneller die jeweilige Bedeutung „gehen“ oder „stehen“ erkennen als bei seinem West-Pendant.


Das überzeugte den Langenhorner FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Robert Bläsing (der übrigens in Perleberg geboren ist und daher mit den Ost-Männchen bereits seit seiner Kindheit vertraut ist). In einer rot-gelbem Mini-Koalition mit dem Rahlstedter SPD Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter (der gebürtiger Hamburger und damit mit den West-Männchen groß geworden ist)verlangte er vom Senat, beim regelmäßigen Austausch von Ampeln anstelle der langweiligen Westmänner die sympathischen Hutträger einzusetzen – allein schon aus Gründen der besseren verkehrssicherheit.

Doch die Hamburger Verkehrsbehörde kneift, hat hat offenbar Angst vor einem Rüffel aus Brüssel: „Es ist derzeit nicht beabsichtigt, weitere ,Ost-Ampelmännchen‘ einzusetzen“, teilte der Senat auf Anfrage der beiden Abgeordneten mit. Die Langweiler aus Brüssel werden uns also wohl noch lange erhalten bleiben...